Moderne Beschichtungstechnik für Gleitlager in Windkraftanlagen

Laserbeschichten ist ein innovatives Verfahren, um metallische Oberflächen mit verschleißfesten Schichten zu versehen. In Windkraftanlagen beispielsweise werden vermehrt Gleitlager anstelle von Wälzlagern eingesetzt, etwa bei großen Hauptwellen (Hauptrotorwellen) und Planetenrädern in Getrieben. Diese Umstellung soll die Energieeffizienz steigern und Wartungskosten senken. Da Gleitlager weiche Beschichtungen benötigen, rückt das Laserbeschichten in den Fokus: Es ermöglicht hochwertige Gleitschichten direkt auf Stahlbauteilen – ein Schlüsselfaktor für langlebige, effiziente Windenergie-Komponenten.

Aber was bedeutet Laserbeschichten? Der Begriff bezeichnet das Aufbringen einer metallischen Beschichtung mittels Laser. Technisch handelt es sich um Laserauftragschweißen, auch Laser Cladding genannt  oder Laser Metal Deposition– ein etabliertes Verfahren zur Herstellung oder Reparatur von qualitativ sehr hochwertigen Beschichtungen. 

Typische Anwendungsfälle: Hauptwellen und Planetenbolzen in Windkraftanlagen

In Windenergieanlagen treten extreme Belastungen und Dauerbeanspruchungen auf. Besonders Hauptwellen, die die Kraft der Rotorblätter ins Getriebe übertragen, und Planetenbolzen, die Zapfen, auf denen die Planetenräder im Getriebe laufen, müssen hohen Kräften standhalten. Bisher werden diese Komponenten oft mit Wälzlagern (z.B. Walzen- oder Kugellager) versehen. Moderne Windkraftanlagen setzen jedoch verstärkt auf Gleitlagerlösungen, um Reibungsverluste zu reduzieren und somit die Lebensdauer zu erhöhen.

Arbeitsraum der ELC 1500 LMD beim Laserbeschichten einer Hauptwelle für Windkraftanlagen
Großer Arbeitsraum der ELC 1500 LMD: Perfekt für das Laserbeschichten massiver Hauptwellen in Windkraftanlagen

Für eine Umrüstung auf Gleitlager müssen die Oberflächen dieser Bauteile mit einem geeigneten weichen Metall beschichtet werden. Genau hier kommt das Laserbeschichten ins Spiel. Ein typisches Beispiel sind laserbeschichtete Planetenbolzen in neuesten Windenergieanlagen. Durch eine Laserbeschichtung lässt sich auf der Stahloberfläche der Bolzen oder Wellenzapfen eine dünne Schicht aus Gleitlagerwerkstoff (wie Kupfer-Zinn-Bronze oder Weißmetall) aufbringen. Diese Schicht fungiert als gleitende Lageroberfläche, die in Kombination mit einem passenden Gegenlager (z.B. einem Lagerschalen-Segment) ein reibungsarmes Gleitlager bildet.

Die Beschichtung gewährleistet dabei wichtige tribologische Eigenschaften: Zum einen schützt sie den Stahl vor Verschleiß. Zum anderen ermöglicht sie sogenannte Notlaufeigenschaften – also die Fähigkeit des Lagers, bei kurzfristigem Schmierölausfall dennoch nicht sofort zu versagen. Ohne eine solche weiche Gleitschicht würden Stahl-auf-Stahl-Paarungen in Kürze Fressschäden erleiden, wenn der Schmierfilm abreißt. Kupfer-Zinn-Legierungen (Bronzen) oder Weißmetalle bieten hier hervorragende Gleiteigenschaften und verhindern durch ihre weiche Oberfläche das Festfressen im Notlauf. Eine Laserbeschichtung dieser Werkstoffe auf großen Wellen und Bolzen ist somit der Schlüssel, um Gleitlager in Windrädern zuverlässig einsetzen zu können.

Laserbeschichteter Planetenbolzen für ein Windkraftgetriebe
Laserbeschichteter Planetenbolzen für den Einsatz im Windkraftgetriebe

Vorteile des Laserbeschichtens gegenüber Gießen und thermischem Spritzen

Laserbeschichten (Laserauftragschweißen) bietet gegenüber traditionellen Beschichtungsmethoden wie dem Gießen von Lagerschalen oder dem thermischen Spritzen zahlreiche technische und wirtschaftliche Vorteile. 

  • Höhere Verbindungsfestigkeit: mit Laser aufgebrachte Schichten sind stoffschlüssig mit dem Grundmaterial verschweißt und erreichen eine deutlich höhere Haftfestigkeit als Beschichtungen durch Guss oder Aufspritzen. Insbesondere im Vergleich zum thermischen Spritzen – das nur eine mechanische Haftung der Partikel auf der Oberfläche bewirkt – sorgt die metallurgische Verbindung beim Laserauftragschweißen für wesentlich langlebigere und belastbarere Schichten.
  • Geringerer Material- und Energieeinsatz: Das Laserbeschichten ist äußerst ressourceneffizient. Im Vergleich zum traditionellen Schleuderguss oder Ofengießen von Lagern lassen sich über 70 % der NE-Metalle (Buntmetalle) einsparen, da nur genau die benötigte Schichtdicke aufgetragen wird, anstatt einen dicken Liner aus Bronze zu gießen. Gleichzeitig sinkt der Energieverbrauch um rund 90 % gegenüber dem Gießverfahren, weil der Laserprozess nur lokal Material aufschmilzt und keine großen Schmelzmengen über lange Zeit auf Temperatur gehalten werden müssen. Insgesamt ist Laserbeschichten damit deutlich umweltfreundlicher und kostensparender im Betrieb.
  • Verbesserte Notlaufeigenschaften durch zinn- und kupferhaltige Werkstoffe: Da beim Laserbeschichten praktisch beliebige Legierungen aufgetragen werden können, lassen sich speziell entwickelte Gleitlagerbronzen oder Weißmetalle verwenden. Diese weichen Kupfer- und Zinnhaltigen Beschichtungen verleihen dem Lager ausgezeichnete Notlaufeigenschaften – das Lager kann also auch bei Mangelschmierung oder kurzzeitigem Ölversagen noch eine Weile ohne schwerwiegende Schäden weiterlaufen.
  • Prozessintegrierbarkeit und hohe Präzision: Laserbeschichtungsanlagen lassen sich in eine Fertigungslinie integrieren, da sie vergleichsweise kompakt sind und keinen abgetrennten Gießerei-Bereich erfordern. Bauteile können direkt vor oder nach dem Beschichten auf derselben Anlage weiterbearbeitet werden, was logistische Aufwände minimiert. Der Laser bringt die Energie sehr präzise und lokal ins Werkstück ein. Dadurch werden umliegende Bereiche kaum beeinflusst. So werden Verzüge minimiert und eine bestmögliche Maßhaltigkeit des Bauteils ermöglicht. Auch sind die Laserparameter exakt steuerbar, was gleichmäßige Schichtdicken und reproduzierbare Ergebnisse gewährleistet. Auch komplexe Geometrien oder schwer zugängliche Stellen können mittels mehrachsiger Optikführung gleichmäßig beschichtet werden – weit besser als es mit konventionellen Verfahren möglich wäre.

Laserauftragschweißen im Einsatz

Beim Laserbeschichten (Laserauftragschweißen) wird ein pulverförmiger Metallwerkstoff oder ein Draht mittels hochintensivem Laserstrahl als feste Schicht auf ein Bauteil aufgebracht. Ein fokussierter Laserstrahl erzeugt dabei ein lokales Schmelzbad auf der Werkstückoberfläche. In diesem Schmelzbad verbindet sich der zugeführte Zusatzwerkstoff mit dem Grundwerkstoff. Das flüssige Metall erstarrt innerhalb von Millisekunden und bildet eine dichte Schweißraupe, die fest mit dem Untergrund verschmolzen ist. Durch leicht versetztes Nebeneinanderlegen solcher Schweißraupen (Bahnen) und ggf. mehrlagiges Auftragen entsteht eine homogene Schicht mit dem gewünschten Durchmesser.
Als Energiequelle kommen in der Regel Hochleistungs-Diodenlaser zum Einsatz.

Beschichtung der Oberfläche eines zylindrischen Bolzens mittels Laserstrahl
Beim Laserbeschichten wird eine verschleißfeste metallische Schicht präzise auf die Oberfläche eines Bauteils aufgebracht. Das Verfahren ermöglicht hochwertige Gleitschichten für langlebige Komponenten, beispielsweise in Windkraftanlagen.

EMAG ELC 1500 LMD – Leistungsfähige Anlage für das Laserbeschichten 

Die ELC 1500 LMD wurde speziell konzipiert, um Werkstücke bis zu 2 Tonnen Gewicht und einer Länge bis zu 1,5 Meter effizient mittels Laser zu beschichten. Damit eignet sich die ELC 1500 LMD ideal für Komponenten wie Windrad-Hauptwellen oder -Achsen, die sehr groß und massiv sind. Durch ein verstärktes Maschinenbett und einen stabilen Reitstock können selbst solche Schwergewichte präzise gespannt und während des Beschichtens sicher bewegt werden.

Außenansicht der ELC 1500 LMD von EMAG zum Laserbeschichten großer Bauteile für Windkraftanlagen
Die ELC 1500 LMD von EMAG: Hochleistungsanlage zum Laserbeschichten schwerer Antriebskomponenten in der Windkrafttechnik

Die ELC 1500 LMD arbeitet mit modernster Laser- und Antriebstechnik. Kernstück ist eine Prozessoptik, die – über bis zu vier NC-Achsen angetrieben – den Laserstrahl hochgenau positioniert. Konkret bedeutet dies, dass die Optik in X-, Y- und Z-Richtung verfahren und zusätzlich winkelverstellt werden kann, um jeder Stelle auf dem Bauteil optimal zu folgen. Diese Mehrachsen-Bewegung erhöht die Flexibilität enorm: Selbst komplexe Konturen oder schwer zugängliche Bereiche (z.B. Innenflächen großer Lagerschalen) lassen sich so zuverlässig beschichten, da der Strahl immer im richtigen Winkel auftreffen kann. Die Wiederholgenauigkeit der Positionierung ist dabei äußerst hoch – Abweichungen von Schicht zu Schicht sind minimal, was konsistente Ergebnisse sicherstellt.

Ergonomie und Integration wurden bei der ELC 1500 LMD ebenfalls bedacht. Die Maschine verfügt über einen großzügigen Arbeitsraum, der von vorne zugänglich ist. Große Bauteile können mit Kran oder Hebehilfen (Manipulator) einfach be- und entladen werden. Wartungsarbeiten am Laser oder an der Optik sind durch die offene Bauweise erleichtert. Alle nötigen Komponenten – von der Strahlquelle bis zur Absaugung von Rauch und Partikeln – sind in das Anlagenkonzept integriert und können flexibel angeordnet werden. Das bedeutet, die komplette Laserbeschichtungslösung kommt aus einer Hand und benötigt lediglich einen geeigneten Stellplatz in der Fertigung. Kühlanlagen für den Laser sowie Schutzumhausungen sind Teil des Systems, wodurch Sicherheit und Zuverlässigkeit gewährleistet sind.


Zusammenfassend erreicht das Laserbeschichten also eine höhere Verbindungsqualität, ermöglicht den Einsatz leistungsfähiger Lagerwerkstoffe, spart Material und Energie, bietet präzise steuerbare Prozessbedingungen ohne große thermische Nebenwirkungen und kommt ohne zusätzliche Kühlmedien aus. Diese Vorteile machen es zu einer äußerst attraktiven Technologie für die Beschichtung von Gleitlagern in Windenergie-Anwendungen.