Flexspline-Bearbeitung für Wellgetriebe
Flexsplines, auch als flexible Wellenräder, Flextopf oder Kragenhülse bezeichnet, bilden das Herzstück von Wellgetrieben. Diese hochpräzisen Bauteile ermöglichen sehr hohe Untersetzungsverhältnisse in einer einzigen Getriebestufe – ein entscheidender Vorteil gegenüber konventionellen Planetengetrieben, die für vergleichbare Untersetzungen mehrere Stufen und damit erheblich mehr Bauraum benötigen.
Fertigungstechnische Herausforderungen bei Flexsplines
Die Fertigung von Flexsplines stellt höchste Anforderungen an Werkzeugmaschinen, Prozessführung und Qualitätssicherung. Die Kombination aus dünnwandiger Geometrie, hochfesten Werkstoffen und extremen Genauigkeitsanforderungen macht Flexsplines zu einer der anspruchsvollsten Verzahnungsaufgaben in der modernen Fertigungstechnik.
Flexsplines weisen typischerweise Wandstärken von weniger als einem Millimeter auf. Diese Dünnwandigkeit ist funktional erforderlich, führt jedoch zu erheblichen Herausforderungen bei der Werkstückspannung. Selbst geringe Spannkräfte können zu elastischen Verformungen führen, die sich unmittelbar in Verzahnungsfehlern niederschlagen. Die typischen Modulgrößen liegen im Bereich von 0,15 bis 1,5 mm mm bei Zähnezahlen zwischen 100 und 400 Zähnen. Als Werkstoff kommen hochfeste Stähle wie SNCM 439 (40CrNiMo) zum Einsatz, die nach der Wärmebehandlung Härtewerte von 38 bis 42 HRC erreichen.
Genauigkeitsanforderungen
Die Verzahnungsqualität von Flexsplines muss den Anforderungen der DIN 3960/62 bzw. ISO 1328 Klasse 4 entsprechen. Diese Genauigkeitsklasse bedeutet Teilungstoleranzen im einstelligen Mikrometerbereich. Der Rundlauf des Flexsplines muss innerhalb 5 Mikrometern liegen. Die korrekte Einhaltung dieser Toleranzen ist entscheidend für die Positioniergenauigkeit und das Betriebsverhalten des gesamten Getriebes.
Prozesskette zur Flexspline-Fertigung
Die Herstellung von Flexsplines erfolgt in einer mehrstufigen Prozesskette, die sowohl Weich- als auch Hartbearbeitung umfasst. Jeder Prozessschritt muss präzise aufeinander abgestimmt sein, um die geforderten Endqualitäten zu erreichen.
1. Weichdrehen: Vorbearbeitung der Rohteilgeometrie, Feinbearbeitung der Konturen vor der Wärmebehandlung
2. Wärmebehandlung: Härten und Hochtemperaturanlassen, Kryogenbehandlung mit flüssigem Stickstoff und anschließendem Niedertemperaturanlassen
3. Hartdrehen: Präzisionsbearbeitung nach der Wärmebehandlung, Fertigbearbeitung der Funktionsflächen
4. Ölbadanlassen: Thermische Stabilisierung und Spannungsabbau
Wälzfräsprozess für Flexsplines
Der Wälzfräsprozess bildet den zentralen Fertigungsschritt bei der Herstellung von Flexsplines. EMAG hat für diese Anwendung spezielle Prozessstrategien und Maschinenausstattungen entwickelt, die eine reproduzierbare Fertigung in höchster Qualität ermöglichen.
Bauteilanforderungen vor dem Wälzfräsen
Die Qualität des Fertigungsprozesses über die gesamte Prozesskette ist entscheidend für das Endergebnis. Die Innenbohrung wird zu diesem Zweck in der Regel gehont, um die erforderliche Oberflächengüte und Rundheit für die Spannung mittels Expansionsdorn zu gewährleisten. Die Wandstärke sollte über den gesamten Umfang konstant sein – Schwankungen führen unweigerlich zu Verzahnungsfehlern, da sie das Expansionsverhalten des Rohteils beeinflussen. Das Werkstück muss vor der Bearbeitung vollständig gereinigt sein; Späne oder Verunreinigungen in der Innenbohrung beeinträchtigen die Spanngenauigkeit und können Beschädigungen herbeiführen.
Die dünnwandige Geometrie von Flexsplines erfordert besondere Spannkonzepte. Mechanische Spannzangen mit punktueller Krafteinleitung würden zu unzulässigen Verformungen führen. EMAG setzt daher hydraulisch expandierende Spanndorne ein, die eine gleichmäßige Kraftverteilung über die gesamte innere Mantelfläche gewährleisten. Diese Hydraulik-Spanndorne müssen höchste Präzision aufweisen – der Rundlauf darf maximal 3 bis 5 Mikrometer betragen. Eine eindeutige axiale Positionierung der Werkstücke in der Spannlage ist zwingend erforderlich, damit die Flankenlinienmodifikationen korrekt eingebracht werden können.
Die Wälzfräser für die Flexspline-Bearbeitung unterliegen höchsten Qualitätsanforderungen. Es kommen Hartmetall-Wälzfräser zum Einsatz. Bei bestimmten Modulen sind Sonderanfertigungen mit spezifizierten Teilungstoleranzen erforderlich – hier ist eine enge Abstimmung mit dem Werkzeughersteller notwendig. Darüber hinaus weisen Wälzfräser für Flexsplines Sonderprofile auf.
Maschinenkonzept und Steuerungstechnik
Die Fertigung von Flexsplines stellt höchste Anforderungen an die Maschinenkinematik, die thermische Stabilität und die Regelung der Direktantriebe der prozessrelevanten Maschinenachsen. EMAG hat für diese Anwendung ein umfassendes Hochpräzisionspaket entwickelt, das alle relevanten Einflussfaktoren adressiert.
Die Wälzfräsmaschinen der K-Serie von EMAG verfügen über ein Maschinenbett aus Mineralguss (Polymerbeton). Dieses Material zeichnet sich durch hervorragende Dämpfungseigenschaften und eine sehr geringe thermische Ausdehnung aus. Die thermische Stabilität ist entscheidend für die Prozesssicherheit der Verzahnungsqualität.
Sowohl die Werkzeugspindel (B-Achse) als auch die Werkstückspindel (C-Achse) sind als wassergekühlte Direktantriebe ausgeführt. Diese Konstruktion eliminiert mechanische Übertragungselemente wie Riemen oder Getriebe, die zu Positionierfehlern führen könnten. Die Wasserkühlung gewährleistet eine konstante Temperatur der Antriebseinheiten und verhindert thermisch bedingte Positionsabweichungen.
Steuerungsstrategien zur Minimierung von Synchronisationsfehlern
Bei der Wälzfräsbearbeitung muss die Werkstückspindel (C-Achse) synchron zur Werkzeugspindel (B-Achse) rotieren. Selbst hochwertige Servoantriebe weisen jedoch systembedingte Ungleichförmigkeiten auf – sogenannte Rastmomente oder Cogging-Effekte, die aus der Wechselwirkung von Permanentmagneten und Statorwicklungen resultieren. EMAG hat für die Flexspline-Bearbeitung eine spezielle Kompensationsstrategie entwickelt.
Die EMAG Steuerung bietet umfangreiche Möglichkeiten zur Verzahnungsmodifikation. Neben Standardmodifkationen wie Breitenballigkeiten und Konizitäten in der Flankenlinie können auch Flexspline-spezifische Modifikationen der Flankenlinie direkt über Dialog-Parameter programmiert werden. Profilmodifikationen werden üblicherweise über das Wälzfräserprofil eingebracht. Diese Modifikationen optimieren das Tragbild und die Lebensdauer der Verzahnung im Betrieb.
EMAG Maschinenportfolio für Flexspline-Bearbeitung
EMAG bietet mit der K-Serie zwei Maschinenplattformen, die speziell für die Bearbeitung von Wellgetriebe-Komponenten optimiert sind. Beide Maschinen verfügen über das beschriebene Hochpräzisionspaket und unterscheiden sich primär im Arbeitsbereich.
K 300 – Hochsteife Lösung für größere Werkstücke
Die K 300 verfügt über einen geschlossenen Maschinenrahmen, der höchste Steifigkeit auch bei größeren Bearbeitungskräften gewährleistet. Diese Konstruktion ist insbesondere für größere Flexsplines bis 140 mm Außendurchmesser geeignet. Die geschlossene Rahmenbauweise, bei der ein Joch Hauptspindelseite und Reitstockseite miteinander verbindet, verhindert das Verformen der Maschine selbst bei großen Spannkräften.
Erreichbare Verzahnungsqualität
Mit dem beschriebenen Fertigungskonzept erreicht EMAG nachweislich Verzahnungsqualitäten nach DIN 3960/62 bzw. ISO 1328 Klasse 4 oder besser. Diese Genauigkeit wurde in Serienprojekten bei führenden Wellgetriebe-Herstellern validiert und dokumentiert.
Die Messungen umfassen alle relevanten Verzahnungsparameter: Flankenlinienabweichung, Profilabweichung, Teilung, Rundlauf und Zahndicke. Insbesondere die Parameter der Teilungsabweichung sind entscheidend für die Gleichförmigkeit der Getriebetransmission.

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