Home    EMAG Gruppe    Maschinen    Lösungen    Service    Kontakt    

Service Hotline
+49 (0) 7162 / 17-4300

POWER-INSEL

Make it in Germany! Wo sonst?

Die Fertigungslösung zur Bearbeitung von Radträgern bei Georg Fischer Automotive in Singen ist ein Musterbeispiel für Produktivität und Qualität auf kleinstem Raum. Zusammen ausgetüftelt haben diese Vierfachanlage versierte Experten von GF, sowie EMAG und SW. Man erhofft durch sie auf beiden Seiten eine Sogwirkung für weitere Großaufträge.

Das Fertigungssystem für Vorderachsträger im Teilüberblick: Vier sternförmig angeordnete flexible Fertigungssysteme, bestehend im Wesentlichen aus je zwei EMAG VSC 500 und je einem SW BA 600-2, sind mit einer Waschmaschine und Messzellen sowie Markierungsdruckern verknüpft, über Linearund Roboterautomatisierung. 880 m² geballte Produktivität.

Der Wettstreit zwischen Eisenguss und Aluminium

Vorderachsträger

ist noch längst nicht entschieden. Eisengusswerkstoffe eignen sich weiterhin hervorragend zur Umsetzung automobiler Ideen – vorausgesetzt, der Partner bei der Fertigung dieser Teile hat Werkstoff und Prozess perfekt im Griff. Es zeigt sich nämlich immer wieder, dass durch den Einsatz von Leichtmetallen die notwendigen Gewichtsreduzierungen nicht immer erzielt werden können, und schon gar nicht, wenn man auch gleichzeitig damit Kostenvorteile verbinden will. Gusseisen hat hingegen immer noch kreatives Gewichtspotenzial, vor allem wenn man hier an innovative Eisenlegierungen wie höherfeste ferritische Werkstoffe denkt. GF Automotive, die Automobilsparte des Georg-Fischer-Konzerns mit seinen insgesamt 14000 Mitarbeitern weltweit und seinem Stammsitz in Schaffhausen, versteht sich als Teil einer Kompetenzpartnerschaft rund um moderne Gusslösungen für Fahrzeugtechnik. Ständige Forschung und Entwicklung in den Bereichen Druckguss, Sand- und Kokillenguss für die Werkstoffe Eisen, Aluminium und Magnesium sind ein gefragtes Angebot bei der Entwicklungs- und Fertigungspartnerschaft mit der Automobilindustrie. Automobilhersteller haben somit Zugriff auf eine ganze Palette von Werkstoffen und Fertigungslösungen für einbaufertige Fahrzeugteile. Innerhalb der Unternehmensgruppe ist das Singener Werk mit seinen fast 1300 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 220 Mio. Euro zuständig für Bauteile aus Sphäroguss, je zur Hälfte für Pkws und Nutzfahrzeuge. Aus den 180000 Tonnen jährlich erzeugten Gussteilen werden Fahrwerks-, Lenkungs- und Getriebeteile sowie Motoren. Hauptkunden sind alle wichtigen europäischen Automobilhersteller aus beiden Fahrzeugsparten. Daher war es auch nicht überraschend, dass der Auftrag zum Gießen und Bearbeiten der beiden Vorderachs-Radträger für den 1er und den neuen 3er BMW bei GF Automotive in Singen landete. Die große Variante ist vorgesehen für die höher motorisierten Fahrzeuge, die kleinere für die Einstiegsmodelle. Nach der Hochlaufphase der Modelle sollen jährlich 450000 Sätze mit einem Bestellvorlauf von lediglich zwei bis drei Tagen an die Montagewerke in Dingolfing, Leipzig und in Südafrika ausgeliefert werden. Die komplex gestaltete Funktionsgeometrie der Vorderachs- Radträger und die daraus sich ableitetenden vielen Bearbeitungsgeometrien wären eigentlich ein Fall für ausgefuchste Sondermaschinenbauer. Doch Sondermaschinen gibt es zwar für jeden individuellen Einsatzfall, sie sind aber meist wenig flexibel. Und Flexibilität von Fertigungseinrichtungen gehört eben heute zu den wichtigsten Investitionskriterien.

Flexibler als Sondermaschinen

Ein Roboter versorgt BAZ, Messzelle und Identifikationsdrucker.
Norbert Schnurr, der zuständige Projektingenieur in Singen mit einem Radträger

Die speziell für die Singener Anforderungen konzipierte Fertigungslösung aus multifunktionalen Vertikal-Drehbearbeitungszentren von EMAG in Salach und Horizontal-Bearbeitungszentren von SW in Waldmössingen ist eine partnerschaftliche, schnörkellose Maßarbeit mit hoher Produktivitätsdichte auf kompakten 880 m². Vier sternförmig angeordnete Fertigungszellen sorgen für die nötige Flexibilität. Jede der vier Zellen besteht aus jeweils:

  • zwei EMAG VSC 500 Vertikaldrehmaschinen mit integriertem Mess-System, Sonderspannfutter und Werkstückautomation
  • einem Doppelspindel-BAZ BA 600-2 mit 2 x 4 Spannvorrichtung auf fünfachsigem Schwenkbalken
  • einem Fanuc Industrieroboter R 2000-i 165 F mit auf
    beide Radträger umrüstbarem Schwenkgreifer
  • und einem Tintenstrahldrucker mit optischer Erkennung zum Aufbringen der Teile-Identifikationsnummer.

In einer nachgeschalteten Durchlaufwaschanlage werden die Radträger gereinigt und gegen Korrosion geschützt. Etwa zehn Millionen Euro investierte Georg Fischer in dieses ausgeklügelte Fertigungssystem. Im Preis eingeschlossen: die aufwändigen Sonderspannmittel, die Werkzeug-Erstausrüstung und vor allem das ausgefeilte Prozess-Know-how. »Mit einer technischen Verfügbarkeit der gesamten Anlage von 95 Prozent sind wir sehr zufrieden«, äußerte sich der für Planung und Fertigteilbearbeitung zuständige Jürgen Bölle. »Und auch den kalkulierten Wirkungsgrad von 80 Prozent erreichen wir mit effektiven 85 Prozent absolut problemlos«, ergänzte er mit einem Lächeln. Norbert Schnurr, der zuständige Projektleiter, hatte von den beiden Maschinenherstellern eine Taktzeitgarantie gefordert. »Die wurde inzwischen mehr als erfüllt. Außerdem ist die Anlage höchst flexibel – zum einen hinsichtlich der Stückzahlschwankungen, zum anderen durch schnelles Reagieren auf Varianten und neue Aufträge«. Und er lobte die außerordentlich partnerschaftliche Zusammenarbeit während der gesamten Projektphase mit BMW und den beiden WZM-Herstellern EMAG und SW.

19 Schichten pro Woche

Bildschirm des mit dem SAP-Systems verknüpften Zellenrechners.
Jürgen Bölle, bei Georg Fischer in Singen zuständig für Bearbeitungsprojekte.
Aufwändiges hydraulisches Spannsystem für die Radträger in den VSCs.
Jeder Radträger wird mit einer Identnummer bedruckt.

Weil die Einser und Dreier bei BMW besser laufen als geplant, ist auch die Anlage bestens ausgelastet. Sie läuft derzeit 19 Schichten pro Woche – von Sonntagabend bis Samstagnachmittag. Die Gesamtkapazität von 450000 Radträgersätzen bedeuten eine tägliche Lieferung von 1200 bis 1400 Sätzen oder 56 Gitterboxen an die BMW-Standorte. Die in Singen gegossenen und schutzlackierten Rohlinge der Radträger werden von den Mitarbeitern in die Werkstückträger des Transportsystems eingelegt und der ersten VSC zugeführt. In den beiden verknüpften VSCs werden jeweils an einem linken bzw. einem rechten Radträger die Radnabe komplett fertiggedreht und die Befestigungspunkte gefräst, gebohrt und mit Gewinden versehen. Jedes vierte Teil wird mittels integriertem Mess-System geprüft und wie die anderen drei mittels Roboter in das SW-Doppelspindel- BAZ eingelegt. In ihm werden die Anlenkpunkte mit hoher Genauigkeit gefräst und gebohrt. Die Teile werden gewaschen und in einer zentralen Messzelle nochmals geprüft. Dabei werden funktionskritische Maße und Merkmale bis auf wenige μm gemessen. Jedes Teil erhält dann zum Schluss mittels optisch gesteuertem Drucker eine Teilecodierung zur Identifikation. Eine solche Liefermenge chargen- und termingerecht sicherzustellen ist nicht nur eine Frage der Maschinenleistung, sondern auch eine organisatorische Aufgabe. Daher erfolgen die gesamte Kommunikation und der Datenaustausch über einen Zellenrechner mit dem SAP-System. Die Leistung, Wirtschaftlichkeit und Perfektion dieser Anlage wird im Hause GF als gelungener Einstieg in die Großserienproduktion fertigbearbeiteter Fahrzeugteile gesehen. Zusammen mit dem erarbeiteten fertigungstechnischen Know-how ist dies für GF Automotive sicher ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für die Fertigung ›made in Germany‹ von Serienteilen im gnadenlosen globalen Kosten- und Qualitätswettbewerb.

Der Georg-Fischer-Konzern mit Hauptsitz in Schaffhausen erwirtschaftete mit seinen weltweit 12300 Mitarbeitern 2004 einen Umsatz von etwa 2,3 Mio. Euro. 1,1 Mio. entfielen dabei auf die Automobilsparte mit rund 5800 Mitarbeitern. Im Werk Singen sind rund 1300 Mitarbeiter beschäftigt mit einem Umsatz von 220 Mio. Euro. Sie erzeugen jährlich 180000 Tonnen Sphäroguss, je zur Hälfte für Pkw- und Lkw- Teile. 20 Prozent werden einbaufertig bearbeitet und ausgeliefert, weitere 20 Prozent vorbearbeitet und 60 Prozent verlassen als Rohteile das Werk.


Anwender:
GF Automotive
Bericht aus: Maschine+Werkzeug 09.2005

MEHR INFORMATIONEN

Die VSC Baureihe
Mehr über die VSC Baureihe

Das EMAG SW Bearbeitungszentrum BA 600-2
Mehr über das Bearbeitungszentrum BA 600-2

Das EMAG Produktprogramm
Download

Unterlagen / Angebot
anfordern

Rückruf
 anfordern